• Sabine Fischer

Weißt du, dass du Stille bist?

Ja, du bist Stille. Nicht nur das, aber das vor allem. Macht dir die Stille Angst? Dann heißt das, dass du dich vor dir selbst fürchtest. Du beschäftigst dich, um dir selbst aus dem Weg zu gehen. Wenn du dir das deutlich vor Augen führst - wie fühlt es sich an, sich nie wirklich zu begegnen, nicht bei sich zu sein?

In vielen Retreats habe ich es schon erlebt, dass Menschen plötzlich von großem Schmerz überwältigt werden, wenn sie erkennen, wie oft sie sich eigentlich selbst verlassen, wie selten sie wirklich bei sich sind. Das Leben wird oftmals vollgestopft mit Aktivitäten und Beschäftigungen und auf den ersten Blick als rund und vielleicht sogar glücklich erlebt. Das kann funktionieren, solange man den Ruf der Stille, den Ruf des Herzens, die Sehnsucht nach Wahrheit und Aufwachen, nicht wahrnimmt.


Folgst du deiner Sehnsucht?

Zeitlos stiller Wesensgrund

Eckhart Tolle sagt dazu: "Darunter oder hinter dem Gewirr von Gedanken ist ein grenzenloser Raum innerer Stille. Selbst im Gehirn eines hyperaktiven und (scheinbar) immer beschäftigten und gehetzten Menschen gibt es diesen stillen Raum." Dieser stille Raum ist immer da und wird durch nichts, was an der Oberfläche geschieht, weder durch Gedanken noch durch Gefühle, in seiner Ruhe gestört. Das kann uns aufatmen lassen, denn auch schlimmste Traumata und Schockerlebnisse beeinflussen unseren stillen Wesensgrund nicht - er ist zeitlos unberührt von den äußeren Geschehnissen, er kann nicht verletzt, geschweige denn zerstört werden. Unsere Verbindung kann verloren gehen, sie kann aber jederzeit, wenn wir unsere Aufmerksamkeit darauf richten, wiederhergestellt werden.


Was ist von Bedeutung?

Diesen stillen Raum gilt es zu entdecken und zu erforschen! Alleine diese Einsicht und die Konsequenz daraus machen unser Leben lebenswert und geben ihm Sinn und Ausrichtung. Der kleinste Schritt in diese Richtung ist bedeutsamer als jeder große Schritt in die Welt hinaus! Zuerst muss uns bewusst werden, was wirklich von Bedeutung ist. Gar nicht so einfach in einer Welt, die bestimmt ist von äußerem Erfolg, Status, Karriere, Geld, Macht. Solange wir im Leistungsdogma gefangen sind, richten wir unsere ganze Energie darauf - bis wir durch ein Burnout, Depression oder ein anderes Leid nicht mehr weiterkönnen und zum Nachsinnen gezwungen werden. Aber sogar dann kehren viele Menschen wieder zu dem Verhalten zurück, das sie krank gemacht hat! Denn es braucht Mut, Zuversicht und Willenskraft um gegen den Strom zu schwimmen und den eigenen Wert (den so genannten Selbst-Wert) loszumachen von den Urteilen anderer und der Leistungsgesellschaft.


Wir tun, was wir nicht wollen

Es gelingt uns oftmals nicht, still zu werden, auch wenn die Sehnsucht danach groß ist. Wenn wir stiller werden, beginnen innere Anteile zu protestieren: "Mach dich nützlich! Zeit ist Geld!". Aber es ist nicht nur der innere Antreiber, der die Stille nicht mag. Es gibt unendlich viele verführerische Angebote und Reize, von denen wir uns GERN ablenken lassen - weil sie uns Spaß machen. Dazu eine Geschichte meines Freundes, dem Yogi Jim Ferguson: "Da ist eine Person, die in einem großen Haus lebt und Hunger hat. Sie weiß, dass es in der Küche jede Menge zu essen gibt. Auf dem Weg dorthin wird sie abgelenkt von Kindern, die draußen auf dem Rasen spielen. Sie geht zu ihnen, spielt mit und vergisst ihren Hunger. Und so geht es weiter, immer wieder, über viele Leben..." Das Essen und auch der Hunger (die Sehnsucht) sind Sinnbilder für unseren wahren Wesensgrund.


Fühlen ist der Weg

Wenn du soweit bist, dass diese Worte wirklich zu dir durchdringen, dann rufen sie Gefühle hervor: Schmerz, Traurigkeit, Wut, Verzweiflung, Ohnmacht. Wenn du dir deine Lage ehrlich vor Augen führst, dann willst du so ganz sicher nicht mehr weitermachen. Dir wird all die Ablenkung, das oberflächliche Tun, das Ringen um äußeren Erfolg bewusst, der spätestens mit deinem Tod völlig belanglos wird. Das Leben ist kurz und kostbar. Und es beginnt erst richtig, wenn du aufwachst. Aber der Mut und die Kraft zur Veränderung sind erst dann stark genug, wenn du den Schmerz über deine missliche Lage zulässt, ihn ernst nimmst und dich nicht so bald wie möglich wieder ablenkst und zur Routine zurückkehrst. Die Gefühle sind das Tor zur Freiheit!

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