• Sabine Fischer

Nur Glück ist kein Glück

Wir wünschen uns Glück - gerade zu Jahresbeginn. Wir ersehnen es und streben danach. Aber ist es wirklich machbar? Suchen wir an der richtigen Stelle? Müssen wir überhaupt danach suchen, oder ist es eher eine innere Haltung dem Leben gegenüber, die glücklich macht?

Veränderung ist die einzige Konstante

Jeder Mensch möchte glücklich sein. Für die meisten sind Gesundheit, Familie und Partnerschaft die zentrale Basis persönlichen Glücks. Natürlich ist eine gute Gesundheit Gold wert - aber wie oft wird sie für uns selbstverständlich? Erst wenn wir erkranken, nehmen wir wahr, wie wertvoll das Gesundsein ist und sind dann wieder dafür dankbar. Oft braucht es eine leidvolle Erfahrung, um uns bewusster zu machen. Aber was geschieht, wenn wir eine chronische Erkrankung haben? Ist es dann unser Schicksal, unglücklich zu sein? Auch wenn wir unser Glück auf Familie und Partnerschaft bauen, stellt sich die Frage, wieviel Einfluss, wieviel Kontrolle wir wirklich darauf haben. Wenn sich dein Mann oder deine Frau plötzlich unsterblich in jemand anderen verliebt und von zuhause auszieht - wieviel Kontrolle hast du darüber? In der Welt der Form, der materiellen Welt, gibt es nur eine Konstante: die Veränderung. Die Sicherheit und Stabilität, die wir uns aufzubauen versuchen ist eine Illusion, ist in Wahrheit ein fragiles Kartenhaus, das jederzeit zusammenbrechen kann.


Das Leben optimieren

Glücksratgeber, Glücks-Apps, Glücks-Magazine - jede(r) ist doch seines/ihres Glückes Schmied(in), oder nicht? Die boomende "Glücksindustrie" möchte uns weismachen, dass es nur das richtige Lebens-Optimierungskonzept braucht. Falls man also trotz den ganzen Hilfsmitteln, die auf dem Markt sind, unglücklich ist, traut man sich das gar nicht mehr laut zu sagen, um nicht als Versager zu gelten. Alles, einfach alles, wird vermarktet und zu einem Instrument unserer Hochleistungsgesellschaft gemacht. Wie kann ein Mensch denn durch zusätzlichen Druck, durch noch mehr "Solltes", durch noch mehr Richtlinien, Regeln und Strategien glücklich werden? Das andere Extrem liegt in der banalen Empfehlung, die kleinen Momente zu genießen und mit positiven Gedanken durchs Leben zu gehen, so wie es die dänische Lebensphilosophie "Hygge" nahelegt.


Nur Glück ist kein Glück

Es kann nicht gelingen, immer glücklich zu sein. Das Leben besteht aus Polaritäten: Tag und Nacht, Licht und Finsternis, Glück und Unglück. Nur vor der Erfahrung von Unglück und Leid hebt sich das Glücksgefühl ab, nur durch den dunklen Hintergrund sehen wir die Sterne. Nur Glück wäre also kein Glück. Im Leben geht es Auf und Ab und auch so genanntes Unglück kann - auf Umwegen - zu Glück führen, zu Vertiefung und Sinn. Das Leid, der Schmerz, die Trauer - diese Gefühle haben wichtige Funktionen, sie bewegen uns (das steckt auch im Wort E-MOTION) - oder wollen das zumindest tun, wenn wir es zulassen. Sie bringen uns zu notwendigen Kurswechseln, zum Innehalten, sie bewegen uns zu wichtigen Veränderungen. Auch wenn es manchmal lange dauert, im Nachhinein sehen wir oft die Chance, die uns durch eine Krise erwachsen ist.


Der Physiker Stephen Hawking
Der Physiker Stephen Hawking

Die Wurzel der Freude ist Dankbarkeit

Trotzdem ist es gut, wenn wir uns aktiv um unser Wohlbefinden kümmern, fürsorglich und liebevoll mit uns selbst umgehen und unser Glück nicht von den äußeren Umständen abhängig machen. Wir jagen oft einem völlig falschen Glücks-Ideal nach, das nicht zu erreichen ist. Was aber möglich und lohnend ist, ist das Kultivieren einer Grundzufriedenheit und Dankbarkeit für das, was uns das Leben schenkt (im Sinne von Bruder David Steindl-Rast: "Die Wurzel der Freude ist Dankbarkeit"). Auch wenn die äußeren Umstände leidvoll sind, können wir dankbar dafür sein, dass uns gezeigt wird, dass eine Veränderung not tut, dass wir eine Gelegenheit haben zu wachsen und zu lernen. Sehen wir uns das Leben des Physikers Stephen Hawking an: er lebte mit einer degenerativen Erkrankung des motorischen Nervensystems, die ihn über Jahrzehnte an den Rollstuhl fesselte. Er büßte sogar seine Sprachfähigkeit ein. Trotzdem wurde er ein bedeutender Wissenschafter und Schriftsteller, dessen Leben mehrmals verfilmt wurde (auf YouTube gibt es einen deutschen Dokumentarfilm). Das konnte ihm nur gelingen, weil er sich nicht aufgab und in Depression verfiel, sondern aus der Zeit und den Möglichkeiten, die er hatte, etwas machte!


Liebe und Glückseligkeit sind deine Natur

Diesen Artikel kann ich natürlich nicht beenden, ohne darauf hinzuweisen, dass wir in der Welt der Form niemals wahre Zufriedenheit und Glückseligkeit finden werden. Der geistige Lehrer Paramahansa Yogananda sagt: "Langsam, aber sicher müßt ihr im Laufe eures Lebens zu der Einsicht gelangen, dass Gott der einzige Gegenstand und das einzige Ziel ist, das euch zufriedenstellen kann; nur in Gott können alle Wünsche eures Herzens Erfüllung finden". Denn solange wir uns als getrennte Wesen wahrnehmen, erleben wir die Sehnsucht und den Schmerz der Trennung. Eine weitere wichtige Voraussetzung für Zufriedenheit und "Glück" ist, alles anzunehmen, wie es ist, alles umfassen und alles umarmen - den Widerstand gegen die jeweiligen Gegebenheiten aufgeben (was nicht heißt, in Passivität und Untätigkeit zu verfallen), weil du verstehst, dass dein Glück nicht von äußeren Umständen abhängt. Dann bist du wirklich unabhängig und frei!


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